Tag der Pflegenden muss Auftakt zu nationaler Kraftanstrengung zur Verbesserung der Situation der Pflege werden

11.05.2018, Mainz

Tag der Pflegenden muss Auftakt zu nationaler Kraftanstrengung zur Verbesserung der Situation der Pflege werden

Landespflegekammer will bessere Rahmenbedingungen für die Berufsgruppe erreichen

Der internationale Aktionstag "Tag der Pflegenden“ findet jährlich am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, statt. Florence Nightingale (geboren am 12. Mai 1820 in Florenz; gestorben 13. August 1910 in London) war eine britische Krankenschwester. Die Tochter einer wohlhabenden britischen Familie gilt als die Pionierin der modernen Krankenpflege. In Deutschland wird dieser Tag seit 1967 begangen. Der diesjährige Aktionstag steht unter dem Motto „Nurses: A Voice to lead – Health is a Human Right“.

„Wer Gesundheit oder gesundheitliche Versorgung als ein Menschenrecht begreift, der muss für die entsprechenden Rahmenbedingungen Sorge tragen. So hervorragend das deutsche Gesundheitswesen auch ist, vor allem auch im internationalen Vergleich, so sehr müssen auch wir die Rahmenbedingungen verbessern, um unserem Anspruch gerecht zu werden“, appelliert Dr. Markus Mai, Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, zum Tag der Pflegenden.

Die Landespflegekammer fordert daher, auf Bundesebene das „Jahrzehnt der Pflege“ zu initiieren. In diesem Zeitraum muss es fraktions- und parteiübergreifend gelingen, ein Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen, um den jahrzehntelang steigenden Kostendruck zu Lasten der beruflich Pflegenden zu beenden und Strukturen zu schaffen, die eine gute und professionelle Pflege ermöglichen. Dabei müssen unter anderem eine Neustrukturierung der Ausbildungsberufe, fachlich geeignete, gesetzliche Personalbemessungsinstrumente, gute gesetzliche Fachkraftquoten, die Einbindung von beruflich Pflegenden in die Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens und vor allem eine deutliche Erhöhung der finanziellen Mittel im System umgesetzt werden. Mai: „Wir brauchen dringend gesetzliche Regelungen und Investitionen in Milliardenhöhe. Wir schätzten den Bedarf an zusätzlichen Pflegefachpersonen auf über 120.000 Vollzeitkräfte, um gute Pflege sicherstellen zu können“.

Eine Attraktivitätssteigerung bedeutet nach Einschätzung des Kammerpräsidenten auch eine angemessene Vergütung. „Die Kolleginnen und Kollegen leisten jeden Tag herausragende Arbeit für viel zu kleines Geld. Wir fordern daher eine angemes-sene Erhöhung und wollen, dass jede examinierte Pflegefachperson rund 4.000 Euro brutto als monatliches Gehalt be-kommt“, rechnet Mai vor. Der 12. Mai ist dabei eine gute Gelegenheit, um eine grundsätzliche Debatte über die Frage zu beginnen: „Was ist uns gute Pflege wert?“

Pflegekammer befasst sich mit Problemlage in der ambulanten Intensivpflege
Zum internationalen Tag der Pflegenden erläutert Mai auch weitere Vorhaben der Kammer. „Die Kammer wird sich mit dem Thema des betrügerischen Handelns im ambulanten Intensivpflegebereich befassen. Mit Vertreterinnen und Vertretern des Gesundheitsministeriums, der Kostenträger sowie den Patientenorganisationen im Land soll ein Gesprächsfaden zu der Thematik aufgenommen und ein gemeinsamer runder Tisch etabliert werden, der sich mit der Sachlage in Rheinland-Pfalz auseinandersetzt.“ Ziel sei dabei, Strategien zu entwickeln, um der Problematik begegnen zu können. Als institutionalisierte Interessenvertretung der rheinland-pfälzischen Pflegefachpersonen, die oftmals nach derartigen Berichten unter dem „Generalverdacht“ leiden, ist das Thema der Kammer ein besonderes Anliegen. Dies nicht zuletzt, weil die Qualitätssicherung in der Pflege von besonderer Relevanz sei.

Pflegerische Expertise muss bei Managemententscheidungen Einfluss nehmen
Die Kammer befasst sich darüber hinaus mit strukturellen Entwicklungen im Gesundheitswesen. „Pflegefachbezogene Kom-petenzen müssen in allen Entscheidungsebenen eines Unternehmens abgebildet werden, um Versorgungsdefizite durch unzureichende und inkompetente Steuerung zu vermeiden. Wir Pflegenden sind nicht nur die größte Berufsgruppe im Ge-sundheitswesen, wir haben vielmehr auch den intensivsten Kontakt zu Patientinnen und Patienten sowie generell zu den Pflegeempfängerinnen und -empfängern. Als Angehörige einer hoch innovativen und empathischen Berufsgruppe bringen wir Sachverstand und flexible Denkansätze in die Unternehmensführung ein“ erklärt Mai, der selbst lange Zeit im Pflegemanagement tätig war.

Das Pflegemanagement in den Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens ist in allererster Linie dem Wahren des Qualitätsanspruchs verpflichtet. Neben ärztlichen, kaufmännischen oder weiteren Verantwortlichen, die ebenso entschei-dend für den Erfolg von Einrichtungen sind, muss daher künftig flächendeckend Pflegeexpertise maßgeblich mit in alle Entscheidungsstrukturen einfließen, in denen Entscheidungen mit Auswirkungen auf die Versorgungsqualität der jeweiligen Einrichtung getroffen werden – und das zwingend.

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