10.05.2017, Mainz

Am Tag der Pflegenden auf Rahmenbedingungen aufmerksam machen

Kammerpräsident Mai am 12. Mai bei einer Vielzahl von Veranstaltungen in Berlin

Der internationale Aktionstag "Tag der Pflegenden“  findet  jährlich am 12. Mai statt. Er wird in Deutschland seit 1967 begangen. Florence Nightingale (geboren am 12. Mai 1820 in Florenz; gestorben 13. August 1910 in London) war eine britische Krankenschwester. Die Tochter einer wohlhabenden britischen Familie gilt als die Pionierin der modernen Krankenpflege.


Der Tag der Pflegenden wird am 12. Mai 2017 mit zentralen Veranstaltungen und Kundgebungen in Berlin begangen. Der Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, Dr. Markus Mai, ist bei den wichtigsten Terminen vor Ort. Von 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr findet die Abschlussveranstaltung der Aktionskampagne „Bundesweite Gefährdungsanzeige“ am Brandenburger Tor statt, bei der neben politischen Entscheidungsträgerinnen und –trägern auch Mai reden wird.  Im  Anschluss geht es zum „Walk of Care“. Startkundgebung ist um 15:00 Uhr vor dem Invalidenpark; nach einigen Kundgebungen vor dem Checkpoint Charlie und dem Bundesgesundheitsministerium ist  die Abschlusskundgebung um 19:00 Uhr beim Platz der Luftbrücke terminiert. Im Rahmen des Pflegetages findet auch die Verleihung des Berliner Pflegebären statt, bei der Mai die Laudatio für einen Preisträger halten wird. Der Tag der Pflegenden findet dann ab 20:00 Uhr seinen Abschluss beim CareSlam im Kulturhaus Alte Feuerwache.


Auch andere Mitglieder des Vorstandes sind am Tag der Pflegenden bundesweit, beispielsweise Hans-Josef Börsch in Leipzig und Angelika Broda in Bremen , im Einsatz, um den Interessen der Pflegenden eine Stimme zu geben.

Rahmenbedingungen für Pflegende verbessern

„Am Tag der Pflegenden müssen wir nicht nur auf die mehr als schwierigen Rahmenbindungen, unter denen Pflege zum Teil stattfindet, aufmerksam machen“, betont Mai. „Wir müssen sie dringend verbessern!“
Die professionelle Pflege ist die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und somit eine der tragenden Säulen der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Eine in die Zukunft gerichtete Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung bedeute daher, den Pflegenden mehr Verantwortung, Ressourcen und Gestaltungsmöglichkeiten zu gewähren.


Personalbemessung gesetzlich verankern


Die derzeitige Arbeitssituation im Gesundheits- und Pflegesektor birgt enorme Belastungsfaktoren für das Personal. Bereits heute ist die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Patientenversorgung gefährdet. Um die pflegerische Versorgung der Gesellschaft in Zukunft sicherstellen zu können, fordern wir die Politik dazu auf mehr Verantwortung für die umgehende Senkung der Arbeitsbelastung sowie eine zügige Verbesserung der Rahmenbedingungen der pflegerischen Versorgung zu übernehmen.


„In den letzten Jahren sind die Fallzahlen in den Krankenhäusern angestiegen, während gleichzeitig die Beschäftigungszahlen von beruflich Pflegenden zurückgegangen sind. In den Altenheimen wird die Einhaltung der Mindeststandards nicht mehr flächendeckend gewährleistet und der Bereich der ambulanten Pflege steht ebenfalls unter gewaltigem Druck. Wir wollen uns wieder um die Pflegebedürftigen kümmern können und die Zeit für das so wichtige pflegerische Handeln, gerade auch für notwendige Prävention, haben“, fordert Mai.


Eine qualitativ hochwertige und genaue Personalbemessung in allen Bereichen, in denen Pflege stattfindet ist überfällig, um fach- und sachgerechte Pflege in Rheinland-Pfalz, und natürlich bundesweit, sicherzustellen. „Diese muss zwingend gesetzlich verankert sein und sich auf Personalstärke und Qualifikation beziehen. Grundlage müssen die Qualitätsnormen sein, die für unseren Beruf gelten“, stellt Mai dar.

Überlegungen der Bundesregierung und der Länder zur Mindestpersonalausstattung in Krankenhäusern nicht ausreichend


Die gemeinsamen Schlussfolgerungen von Bundesgesundheitsministerium, Koalitionsfraktionen und Ländern sehen vor, die Selbstverwaltung von Krankenhäusern und Krankenkassen gesetzlich zur Vereinbarung von Personaluntergrenzen in Krankenhausbereichen zu verpflichten, in denen dies aufgrund der Patientensicherheit besonders notwendig ist, wie beispielsweise in Intensivstationen oder im Nachtdienst.


„Die beschlossene Einführung von Personaluntergrenzen ist ein erster kleiner Schritt, um ein angemessenes Pflegeangebot im Krankenhausbereich sicherzustellen. Die Definition von Mindestpersonalausstattungen hilft aber nicht, wenn es darum geht, eine den Pflegebedarfen angemessene Personalvorhaltung sicherzustellen“, sieht Mai die Vorstellungen kritisch. „Die Selbstverwaltungspartner, allen voran die Krankenhausträger und die Kassen, dürfen sich nun nicht der Verantwortung entziehen.  Zu befürchten ist, dass die Akteure aufgrund der unterschiedlichen Interessen nicht in der Lage sind, sinnvolle und für die Versorgung hochwertige Lösungen auf den Weg zu bringen“.
Die Politik dürfe sich daher nun nicht zurückziehen. Es sei zu begrüßen, dass das Bundesgesundheitsministerium die Entwicklung weiter beobachten wird und notfalls selbst entsprechende Regelungen einführen möchte. Leider zeige die Erfahrung, dass die Regierung den Druck aufrecht halten müsse, um die Selbstverwaltungsakteure zu angemessenem Handeln für die Pflegenden anzuhalten.


Um dauerhaft mehr Personal beschäftigen zu können, werden die Krankenhäuser schon jetzt durch ein absolut unterfinanziertes Pflegestellenförderprogramm unterstützt. Dieses soll, so ein weiterer Punkt des vorgestellten Maßnahmenpakets, ab 2019 in den Pflegezuschlag einfließen.


„Jede weitere Förderung der Pflege ist grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings ist die an dieser Stelle vorgesehene Überführung in den Pflegezuschlag absolut kritisch zu betrachten, da die Mittel dort nicht zweckgebunden sind und auch schon heute nicht für den Aufbau von Pflegepersonal genutzt werden müssen“ zeigt sich der Kammerpräsident  skeptisch.


Letztlich sei die Expertengruppe im Ergebnis hinter den Erwartungen zurück geblieben, weil offensichtlich noch in der laufenden Legislaturperiode die Ergebnisse genutzt werden sollen. Zur Entwicklung eines wirklich guten Personalbemessungsinstruments bedürfe es weiterer umfassender Anstrengungen.


Träger von Pflegeeinrichtungen sollen Zeichen für Wertschätzung der Pflegenden setzen


Die Landespflegekammer hatte im Vorfeld des Tags der Pflegenden die rheinland-pfälzischen Trägerinnen und Träger  von Pflegeeinrichtungen angeschrieben. Ziel des Anschreibens war es, die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zu sensibilisieren, am 12. Mai ein besonderes Zeichen der Wertschätzung für die Pflegenden zu setzen. Zu diesem Zweck waren den Anschreiben entsprechend gestaltete Aufkleber beigefügt.


„Die Wertschätzung für die Kolleginnen und Kollegen muss selbstverständlich alltägliche Praxis sein. Der Tag der Pflegenden ist aber eine gute Gelegenheit, um auf die Situation der Berufsangehörigen hinzuweisen und die Rahmenbedingungen endlich zu verbessern“, so Mai.

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