07.04.2017, Mainz

Kompromisslösung bei künftiger Pflegeausbildung kein großer Wurf

Altenpflege und Kinderkrankenpflege durch Reform benachteiligt -  Professionalisierung der Pflege wird durch neue Regelung erschwert

„Der großen Koalition im Deutschen Bundestag fehlte offensichtlich der Mut zu einer großen Reform der Pflegeausbildung. Der nun gefundene Kompromiss zwischen den Fraktionen von CDU/CDU und SPD bedeutet aber immerhin den ersten Schritt auf dem Weg zu einer generalistischen Pflegeausbildung“, kommentiert der Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, Dr. Markus Mai, die am gestrigen Tag vorgestellte Kompromisslösung zur künftigen Pflegeausbildung in Deutschland.


Diese sieht vor, dass  die Ausbildung  in allen Pflegeschulen mit einer zunächst  zweijährigen generalistischen Pflegeausbildung beginnt. Nach zwei Jahren entscheiden die Auszubildenden dann, ob sie die generalistische Ausbildung fortsetzen oder im Bereich der Kinderkranken- oder Altenpflege den bisherigen Abschluss  wählen. Einen Einzelabschluss in der Krankenpflege soll es künftig nicht mehr geben.


„Die generalistische Pflegeausbildung, die die bisherige Ausbildung in der Krankenpflege ablöst, bereitet die künftigen Pflegenden auf einen Einsatz in allen Arbeitsfeldern der Pflege vor und erleichtert einen Wechsel zwischen den Pflegebereichen. Diese Chance zur Attraktivitätssteigerung hätten wir uns für alle Auszubildenden in der Pflege gewünscht. Damit wäre, unabhängig davon, an welchem Ort der Patient behandelt wird, das nötige pflegerische und medizinisch orientierte Wissen umfassend vorhanden“, bemängelt Mai.


Als „absolut positiv“ bewertet der Kammerpräsident hingegen die hochschulische Ausbildung als weiteren Zugang zum Berufsfeld und die avisierten Vorbehaltsaufgaben. „Damit steigern wir die Attraktivität des gesamten Berufsbildes“, ist sich Mai sicher. Beide Punkte müssten sich zwingend im verabschiedeten Gesetz wiederfinden, damit die Reform Akzeptanz bei den Pflegenden finden könnte.


Größter Wermutstropfen der Reform bleibt die Schlechterstellung der Altenpflege wie der Kinderkrankenpflege. „Die künftigen Kolleginnen und Kollegen aus diesen Bereichen muss man leider als Verlierer des Kompromisses betrachten. Gerade für diese Bereiche sind die Koalitionsfraktionen zu weit hinter dem Möglichen geblieben“, zeigt sich Mai enttäuscht.


„Bei den aktuellen Rahmenbedingungen sind die Beschäftigten in der Altenpflege im Hinblick auf den Berufsstatus, die Beschäftigungssituation und die Vergütung extrem gegenüber den beiden anderen Pflegeberufen benachteiligt. Die Generalistik bleibt damit  ein Gebot der Gerechtigkeit und der Vernunft, gerade um auch den Bereich der Altenpflege attraktiver zu gestalten“, argumentiert der Kammerpräsident.
Insbesondere die Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU- Fraktion, die teilweise  unter maßgeblichen Einfluss  der (privaten) Arbeitgeberverbände das Gesetzesverfahren blockiert und erschwert hatten, tragen hierfür die Verantwortung.


Der nun gefundene Weg sei sicher nicht der große Wurf, aber ein erster  wichtiger Schritt hin zu einer generalistischen Ausbildung, die auch für die weitergehende Professionalisierung der Branche essentiell sei. „Als Einstieg in die Generalistik können wir den gefundenen Weg mittragen. Klar muss aber sein, dass dies nur der Anfang sein kann. Bei den zahlreichen noch offenen Fragen und allen weiteren Schritten erwarten wir einen aktiven Einbezug der Pflegenden“, so Mai.


Die gesamte Debatte und der unrühmliche Gesetzgebungsprozess haben darüber hinaus sehr deutlich gemacht, wie dringend notwendig eine institutionalisierte Interessenvertretung in der Pflege ist. „Das unwürdige Geschacher der regierungstragenden Bundestagsfraktionen um eine vernünftige Ausbildung im so sensiblen Bereich der Pflege hätte es bei keiner anderen Berufsgruppe in der Form gegeben. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie sinnvoll eine Bundespflegekammer ist, so wurde er hiermit erbracht“, betont Mai abschließend.

 

 

 

 

 

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