12.10.2017, Mainz

Pflege-TÜV muss pflegerische Leistungen besser abbilden

Kommission zur Neufassung des Pflege-TÜV´s muss besser mit pflegerischer und pflegewissenschaftlicher Kompetenz ausgestattet sein

Der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS), Peter Pick, hat deut-lich gemacht, dass sich aus seiner Sicht die Etablierung eines neuen „Pflege-TÜV´s“ für stationäre Pflegeeinrichtungen bis ins Jahr 2019 verzögern werde. Damit würde die gesetzlich vorgesehene Frist, die das Expertengremium zur Neufassung des Prüfsystems erhalten hat, um ein Jahr überschritten. Picks Einschätzung zufolge, könne ein neues System ohne Noten für ambulante Dienste gar erst im Jahr 2020 in Kraft treten. „Gründlichkeit und Stringenz muss ganz klar den Vorzug vor Schnellschüssen bekommen“, argumentiert Dr. Markus Mai, Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, vor diesem Hintergrund. „Wichtiger als die Einhaltung der vorgegebenen Fristen erscheint uns aber die Aufwertung des Gremiums mit pflegerischer und pflegewissenschaftlicher Expertise“, so Mai.


In den vergangenen Jahren haben die Kontrollen, die nach den Standards des Pflege-TÜV durchgeführt wurden, nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Insbesondere ist eine transparente Darstellung der echten pflegerischen Qualität, näm-lich von dem, was wirklich beim Pflegebedürftigen ankommt, nicht gelungen. Damit konnte auch das eigentliche Ziel des Pflege-TÜV´s , eine Qualitätssteigerung der tatsächlichen pflegerischen Leistung, nicht nachprüfbar erzielt werden.


Der Pflege-TÜV entbindet Angehörige und Patienten damit nicht von der Aufgabe, sich ein eigenes Bild der Pflegesituation vor Ort zu machen. Aufgrund der fehlenden Transparenz sind die Bewertungen auch als Anhaltspunkt mit sehr großer Vor-sicht zu genießen. Zu oft wird nach dem Motto „Wer viel dokumentiert, pflegt auch gut!“ verfahren. Dabei fehlt gerade die Zeit, die die Kolleginnen und Kollegen für die Dokumentation aufbringen müssen, für das eigentliche pflegerische Handeln.


Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer, sieht das Problem des Pflege-TÜV´s in der unzureichenden Abbildung pflegerischer Leistung und fordert deshalb eine grundlegende Umstellung. Es müssen zunehmend von Pflegefachkräften durchgeführte pflegebezogene Aktivitäten die auch präventiven Charakter zur Erhaltung der Lebensqualität haben berück-sichtigt und selbstverständlich auch umfassend ausfinanziert werden. Diese bringen dem einzelnen Pflegebedürftigen we-sentlich und nachhaltig mehr als viele andere zugrundeliegende Kriterien.


„Wir brauchen eine valide, belastbare und transparente Darstellung pflegerischer Leistungen beim neuen Pflege-TÜV. Das Beispiel mit den unzureichenden Bewertungen der Minutenwerte durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen macht deutlich, dass auch an der Stelle Verbesserungsbedarf besteht.“ Pflege müsse klar definiert werden und es brauche eine konkrete Definition davon, was Pflegende tun sollen und tun können. Dabei sind neben präventiven Aspekten auch rehabilitative Aspekte im Sinne einer guten Versorgung der Pflegebedürftigen zu berücksichtigen.


„An der Stelle kommen die Pflegekammern ins Spiel, denn wir definieren mit der Berufsordnung in einem ersten Schritt, wie in Rheinland-Pfalz professionelle Pflege aussehen soll. In weiteren Schritten legen dann Standards und Richtlinien die weitere Ausgestaltung fest und dienen so jedem professionell Pflegenden als Grundlage für sein pflegerisches Handeln. Erst dann wird die Wertigkeit und Wirkung der Pflegetätigkeit sichtbar und eine angemessene Personalvorhaltung und Honorierung ist daraus abzuleiten. Dann gehören auch hoffentlich Diskussionen um die schon jetzt zu niedrige Pflegefachkraftquote der Vergangenheit an.“ so Mai.

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