Beschäftigte in der Pflege häufiger krank als andere

Mainz, 19.2.2021

Barmer-Pflegereport: Depressionen und Rückenerkrankungen nehmen zu

Beruflich Pflegende in Rheinland-Pfalz melden sich deutlich häufiger krank und gehen öfter in Frührente als der Durchschnitt der übrigen Beschäftigten im Land. Das geht aus einem Pflegereport der Barmer Krankenkasse hervor. Dazu Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz:

„Es ist angesichts der prekären Bedingungen nicht verwunderlich, dass gerade unsere Corona-Helden überdurchschnittlich oft mit körperlichen und psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben. Die Zahlen sind mehr als alarmierend und zeigen uns ganz deutlich, wie hoch die Belastung in den Pflegeberufen ist. So könnte Rheinland-Pfalz rechnerisch 1.100 Pflegekräfte mehr haben, wenn Pflegefachpersonen genauso gesund wären wie die Beschäftigten anderer Branchen. Seitens der Politik und der Arbeitgeber muss daher ein zusätzliches Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass die immer größer werdende Belastung der beruflich Pflegenden einen erheblichen Einfluss auf die komplette Patientenversorgung hat und jetzt schon das Maß bei weitem überschritten ist! Gerade zu Pandemiezeiten sollte dies immer wieder thematisiert werden.“

„Verschärft wird die Lage durch die teilweise prekären Arbeitsbedingungen und den - gemessen an dem erheblichen Arbeits- und Belastungsaufwand und der umfassenden Verantwortung - viel zu niedrigen Löhnen in der Branche. Hier müssen auch Arbeitnehmervertretungen ihrer Rolle und Verantwortung gerecht werden, indem sie sich in Verhandlungen nicht abspeisen lassen und weiterhin auf eine deutliche Lohnsteigerung pochen, die zu Löhnen jenseits von 4.000 Euro führt. Die Ankündigung von flächendeckenden Tarifverträgen mit deutlich zu niedrigem Lohnniveau hilft hier definitiv nicht weiter, sondern birgt das große Risiko, dass darüber liegende Löhne gar nicht mehr ausreichend refinanziert werden“, so Mai.

„Wenn die Tarifparteien das nicht einsehen, müssen alternative Lösungen zwischen Kammern, Pflegeberufsverbandsvertretungen und Politik überlegt werden, die die Tarifautonomie nicht tangieren. Ansonsten müssen wir damit rechnen, dass immer mehr Pflegefachpersonen dem Berufsstand den Rücken zukehren und gleichzeitig immer weniger Fachkräfte nachrekrutiert werden können. Das Resultat wäre ein Kollaps des gesamten Gesundheitswesens, da wir hier von einer der größten und systemrelevantesten Berufsgruppen überhaupt sprechen!“, warnt Mai.

 

Zurück