Die ambulante Pflege ist weiter vernachlässigt!

Mainz, 15.11.2019

Abwanderung in den stationären Bereich nur durch neue Lohnstrukturen zu stoppen

„Andreas Westerfellhaus hat deutlich aufgezeigt, dass die Löhne in der ambulanten Pflege zu niedrig sind und hier dringend nachgebessert werden muss. Es kann nicht sein, dass die Gehälter im Schnitt mit bis zu 900 Euro und damit einem Drittel unter dem Einkommen von Pflegefachpersonen in Krankenhäusern und Pflegeheimen liegen. Sollten die Preisverhandlungen zwischen den ambulanten Diensten und den Kostenträgern in Zukunft nicht deutlich vereinfacht werden, wird eine Abwanderung des Personals aus diesem Schlüsselbereich der Gesundheitsversorgung nicht mehr zu stoppen sein. Daher schließen wir uns der Forderung des Pflegebeauftragten nach Lohntransparenz an. Daneben sind die Personalschlüssel an die jeweilige Versorgungssituation anzupassen und ebenfalls zu refinanzieren. Der derzeitigen Refinanzierungspraxis durch die Kassen muss daher gesetzlich dringend Einhalt geboten werden. Ansonsten werden ambulante Pflegedienste und letztlich deren Beschäftigte weiterhin niedrigere Vergütungen der Kostenträger in Kauf nehmen müssen. Für die pflegerische ambulante Versorgung ein absolutes Desaster“, sagt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat in einem Positionspapier auf die schwierige Lohnsituation in der ambulanten Pflege aufmerksam gemacht. So seien weitreichende Änderungen möglich, um die berufliche Pflege zu Hause zu sichern. Zwar würden Pflegedienste ihren Mitarbeitern bessere Gehälter zahlen wollen, scheiterten letztlich jedoch immer wieder am uneinheitlichen Verhandlungsfahren mit den Kostenträgern, die zudem nicht auf Augenhöhe stattfinden. Daher plädiert er für ein einheitliches und einfaches Verfahren mit den Kassen.

„Es ist endlich an der Zeit, die ausgeglichene Balance zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern wieder verlässlich herzustellen. Die politischen Akteure sollten hier unbedingt nachjustieren. Die implizite Rationierung unseres Gesundheitswesens durch die Bundespolitik schreitet, wie man sieht, weiter voran. Die Leidtragenden sind hier immer mehr die Versorgungsempfänger, denen vor Ort keine adäquaten Angebote mehr zur Verfügung stehen“, so Mai.

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