Gesundheitswesen abhängiger denn je vom Einsatz der beruflich Pflegenden

Mainz, 2.11.2020

Sonderprämie in Höhe von 1.500 Euro muss an der richtigen Stelle ankommen – Auch Pflegefachpersonen sind Menschen und leben nicht vom Klatschen allein

„Ohne den tagtäglichen Einsatz der beruflich Pflegenden hätten wir wesentlich schlechtere Karten im Kampf gegen das Coronavirus. Daher ist es endlich an der Zeit, ihre Leistung auch dementsprechend zu honorieren. Gerade in der Intensivpflege wird die Situation immer bedrohlicher. Wir dürfen uns von den freien Kapazitäten nicht beirren lassen, da sie uns ohne das notwendige Pflegepersonal nicht viel bringen werden. Eine Überlastung der Pflegefachpersonen war vorprogrammiert und kam somit wenig überraschend, da schon vor der Pandemie die Personalausstattung in vielen Einrichtungen und Kliniken sehr dünn war. Ich finde es sehr bedenklich, dass unsere Berufsgruppe trotz ihrer Systemrelevanz noch immer auf eine angemessene Form der Wertschätzung warten muss. Stattdessen wird jetzt wieder über die Aussetzung der Personaluntergrenzen in allen Krankenhäusern diskutiert. Auch wenn die Intensivpflege derzeit im Mittelpunkt steht, darf die kritische Lage in allen anderen Settings der professionellen Pflege nicht unterschätzt werden. Wenn schon die einmalige Auszahlung von Corona-Sonderprämien beschlossen wird, dann sollten diese auch an der richtigen Stelle ankommen. Deshalb fordern wir noch einmal ganz deutlich, dass die Auszahlung dieser Prämien von Bund und Land in einer Gesamthöhe von 1.500 Euro pro vollzeitbeschäftigte Pflegefachperson in allen Krankenhäusern noch in diesem Jahr erfolgt. Ansonsten sehe ich die Motivation bei vielen Kolleginnen und Kollegen deutlich schwinden“, so Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Die steigenden Infektionszahlen der vergangenen Wochen haben die Bundesregierung dazu veranlasst, einen „Teil-Lockdown“ zu beschließen. Private Kontakte sollen wie im Frühjahr eingeschränkt werden, zudem wurden Schließungen in der Gastronomie durchgesetzt. Laut Mai kann jeder seinen Teil dazu beitragen, dass die gesundheitliche Versorgung weiterhin gewährleistet wird und der Lockdown nicht länger als vier Wochen dauert.

„Das Virus stellt nicht nur eine Gefahr für ältere und vorerkrankte Menschen dar. Jüngere Menschen haben ebenso mit den Langzeitfolgen einer Ansteckung zu kämpfen. Unabhängig vom Alter trägt jeder Einzelne von uns eine gesellschaftliche Verantwortung und sollte diese auch ernst nehmen, indem er sich an die Schutzmaßnahmen hält und seine Kontakt einschränkt. Auch das ist ein Zeichen der Wertschätzung für unsere Berufsgruppe und signalisiert, dass die Arbeit des Pflegepersonals ernst genommen und richtig eingeschätzt wird. Fahrlässiges Verhalten können wir uns nicht leisten, da dieses im schlimmsten Fall zu vollen Intensivstationen und einer massiven Einschränkung der pflegerischen Versorgung führen kann. Egoismen sind jetzt absolut fehl am Platz. Jeder kann betroffen sein. Auch ein jugendliches Unfallopfer, das gar nichts mit Corona zu tun hat und intensive Versorgung benötigt, bleibt im Extremfall bei totaler Überlastung des Systems auf der "Strecke". Mit Corona ist einfach nicht zu spaßen!“, warnt Mai.

 

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