Krise des Gesundheitswesens nur durch Kooperation zu meistern

Mainz, 29.05.2019

Ausgeschiedener Bundesärztekammerpräsident trifft mit Aussagen auf harsche Kritik – Medizinische Versorgung nur durch Austausch zwischen Ärzten und Pflegefachpersonen zu gewährleisten

„Vor einigen Wochen haben wir am Tag der Pflegenden darauf aufmerksam gemacht, dass Pflegefachpersonen für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr gesellschaftliches Engagement wesentlich mehr Wertschätzung verdienen. Dies scheint jedoch bei einigen Funktionären des Gesundheitswesens nicht wirklich angekommen zu sein. So ist die Aussage „der Zugang zu Ärzten sei ein Menschenrecht“ von Bundesärztekammerpräsident Dr. Frank-Ulrich Montgomery völlig fehl am Platz. Der Kritik des Deutschen Pflegerates schließen wir uns an, der Respekt vor der Kompetenz der beruflich Pflegenden ist bei einigen völlig abhandengekommen. Ohne ihre Expertise würde die gesamte Gesundheitsbranche zusammenbrechen, allein mit Ärzten sind die medizinischen Herausforderungen nicht zu meistern. Es bedarf einer weitaus besseren Kooperation zwischen Ärzten und Pflegefachkräften. Eine Geringschätzung hilft weder der einen noch der anderen Seite“, so Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Bei einer Konferenz des Weltärztebundes und der Israel Medical Association in Tel Aviv merkte Montgomery an, dass nur beim Fehlen eines Arztes der Einsatz einer Pflegefachkraft hilfreich sein könne. Diese Äußerung würde laut Mai ein grundlegendes Problem offenbaren: Bei der medizinischen Versorgung werde entweder an Ärzte oder an beruflich Pflegende gedacht, wobei gerade das Gesundheitswesen auf dem Prinzip der Solidarität und Zusammenarbeit bauen sollte. Statt die Bedeutung der Pflegefachpersonen herunterzureden, sollte ihnen ein größerer Verantwortungsbereich zugeteilt werden. Nur mit einer neuen Aufteilung medizinischer Aufgaben lassen sich die größten gesundheitsrelevanten Herausforderungen meistern.

„Die medizinische Versorgung ohne den Beitrag der Pflegefachkräfte sicherstellen zu wollen ist reine Utopie. Gerade die letzten Jahrzehnte haben deutlich gemacht, dass eine immer größere Kluft zwischen den Aufgabenfeldern der Mediziner und beruflich Pflegenden zu einer unüberwindbaren Diskrepanz führt, bei der am Ende der Patient fast immer der Notleidende ist. Dieser gefährlichen Entwicklung müssen wir entgegenwirken, ermöglicht werden kann dies nur mit einem Dialog zwischen Berufsverbänden sowie Pflege- und Ärztekammern. Wenn es um die Gesundheit geht darf keine Berufsgruppe einen Monopolanspruch hegen, dies geht lediglich zu Lasten der Patienten. Viel eher sind kontinuierlich stattfindende Absprachen an einem runden Tisch zwischen Medizinern und Pflegenden zu befürworten, durch die Verbesserungen in der medizinischen Versorgung erreicht werden können. Wir sollten lieber selbst und gemeinsam an tragfähigen Lösungen arbeiten, bevor Politik oder Selbstverwaltungspartner uns hier bevormunden. Insgesamt wünschen wir uns, dass Diskussionen bezüglich des Zugangs zu Experten des Gesundheitswesens mit und nicht ohne Akteure der professionellen Pflege geführt werden. Letztlich ist auch der Zugang zu würdevoller Pflege neben vielen anderen gemeinwohlbezogenen Aspekten als Menschenrecht anzusehen“, betont Mai.

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