Offener Brief zum Schreiben des ver.di Pflegebeauftragten Michael Quetting

Mainz, 15.07.2019

Sehr geehrter Herr Quetting,

wir haben Ihren offenen Brief „zum Diskussionsstand Berufsordnung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz“ erhalten und aufmerksam gelesen. Als berufsständische Vertretung der rheinland-pfälzischen Pflegefachpersonen begrüßen wir zunächst das Engagement von ver.di im Bereich der beruflichen Pflege. Wie von uns mehrfach angemerkt, kann eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen nur gemeinsam erreicht werden und der Kampf gegen den Pflegenotstand nur gemeinsam gewonnen werden.

Ihrer Kritik hinsichtlich der „mangelnden Transparenz“ beim Thema Berufsordnung möchten wir jedoch wie folgt entgegentreten:

1) Die Vertreterversammlung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist unser höchstes Entscheidungsorgan und wird alle fünf Jahre von den Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz gewählt. Bei diesen Wahlen besteht, unter anderem auch für Gewerkschaften und Verbände, die Möglichkeit, Listen mit den entsprechenden Vertretern aufzustellen. So finden sich auch in der aktuellen Vertreterversammlung Repräsentanten von ver.di wieder, die bei Diskussionen zum Thema Berufsordnung von ihrem Stimm- und Mitspracherecht Gebrauch machen. Auch wird die Besetzung der Gremien, wie der Arbeitsgruppe Berufsordnung, allein von der Vertreterversammlung bestimmt. Der gesamte Prozess ist also demokratisch und liegt allein in der Hand der Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz. Die Vorschläge der Ausschüsse und Arbeitsgruppen, zum Beispiel zur Berufsordnung, werden regelmäßig in der Vertreterversammlung diskutiert, geändert und abgestimmt.

2) Erfreut waren wir über Ihr Interesse, die Berufsordnung im Rahmen von Infoveranstaltungen zu diskutieren. Wir haben Ihren Vorschlag schon im Vorfeld Ihres offenen Briefes umgesetzt. Im Rahmen des Erarbeitungsprozesses der Berufsordnung wurden bereits über 20 öffentliche Veranstaltungen in ganz Rheinland-Pfalz durchgeführt, an denen sich eine Vielzahl von Pflegefachpersonen beteiligt hat. In diesen Veranstaltungen wurden die Kernpunkte der Berufsordnung diskutiert und die Vorschläge und Eingaben der Teilnehmer aufgenommen. Anschließend erfolgte eine Evaluation der gesamten Kampagne, die von der Arbeitsgruppe und der Vertreterversammlung aufgenommen und umgesetzt wurde.

3) Neben dieser Beteiligungskampagne informiert die Landespflegekammer regelmäßig über den Stand der Berufsordnung, veröffentlicht Pressemitteilungen und hat eine groß angelegte, jedem zugängliche und offensiv beworbene Onlinebefragung zur Berufsordnung durchgeführt. Auch im Kammermagazin, welches jedem Mitglied postalisch zugesendet wird, wurde das Thema „Berufsordnung“ erst vor einigen Monaten aufgegriffen.

Für die Landespflegekammer ist die Berufsordnung ein Kernelement einer professionellen Berufsausübung und somit für die professionelle Pflege unerlässlich. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe haben sich die Aufgabe gesetzt, durch Dialog und Einbezug der Mitglieder eine Berufsordnung zu entwickeln, mit der sich die Mitglieder der Landespflegekammer identifizieren. Es wird auch Daueraufgabe der Arbeitsgruppe und der Vertreterversammlung sein, die Berufsordnung kontinuierlich dem Wandel der professionellen Pflege anzupassen. Auch hier besteht die Möglichkeit, sich fortlaufend zu informieren und bei der Gestaltung der Berufsordnung mitzuwirken.

Somit wird seitens der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz also nicht nur die Möglichkeit geboten, sich über den aktuellen Diskussionsstand zu informieren, sondern auch aktiv mitzuwirken. Wir laden Sie herzlichst dazu ein, von den vielen Möglichkeiten einer Beteiligung bei der Erarbeitung einer Berufsordnung für die professionelle Pflege in Rheinland-Pfalz Gebrauch zu machen und diesen Prozess nicht durch eine einseitige Weitergabe einer Arbeitsfassung zu gefährden. Denn nur gemeinsam kann es uns gelingen, die strukturellen Probleme des Gesundheitswesens anzugehen und echte Verbesserungen für die beruflich Pflegenden in Rheinland-Pfalz zu erwirken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Markus Mai

Präsident

 

Zurück