Pflegekammerbewegung in Deutschland nimmt weiter Fahrt auf

04.06.2018, Mainz

Pflegekammerbewegung in Deutschland nimmt weiter Fahrt auf

Nach überragender Mehrheit bei Befragung kommt die Landespflegekammer auch in Baden-Württemberg

„Ein gutes und wichtiges Ergebnis für die professionell Pflegenden in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland!“ Mit diesen Worten kommentiert der Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, Dr. Markus Mai, den Ausgang der professionell Pflegenden zur möglichen Verkammerung ihres Berufsstandes im Nachbarbundesland Baden-Württemberg. Dort hatten sich 68 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer repräsentativen Befragung, initiiert durch die Landesregierung, für die Errichtung einer Landespflegekammer ausgesprochen, während 26 Prozent dies ablehnten und 6 Prozent keine Position bezogen. Das zuständige Ministerium hat die Zahlen mittlerweile bestätigt und daraufhin die feste Zusage gemacht, die Kammer auf den Weg zu bringen.

„Das Ergebnis der Befragung macht deutlich, dass die professionell Pflegenden ihre Belange endlich selbst in die Hand nehmen und im Rahmen der Selbstverwaltung eigenständig regeln wollen! Auch Baden-Württemberg sendet damit ein deutliches Signal für eine echte und starke Pflegeselbstverwaltung und selbstbewusste Pflegende, die ihre berechtigten Interessen durchsetzen wollen“, betont Mai und verweist dabei auf die Unabhängigkeit der Interessenvertretung durch eine beitragsfinanzierte Kammer. „Endlich bekommen wir die flächendeckende Möglichkeit, unabhängige Akteure im Gesundheitswesen zu werden.“ Die Landesregierung in Stuttgart sei nun gefordert, den „Willen der professionell Pflegenden im Land“ zeitnah umzusetzen. Der Weg ist nun frei, für eine Interessenvertretung und eine Selbstverwaltung, die die Berufsgruppe auf Augenhöhe im Gesundheitswesen bringt. „Unsere Erfahrungen in Rheinland-Pfalz haben gezeigt, dass eine Pflegekammer, die mit denselben Aufgaben und Pflichten wie die anderen Heilberufskammern ausgestattet ist, sehr gut funktioniert. Die Etablierung in einem Heilberufsgesetz hat uns auch rechtlich verankert als Heilberuf sichtbar werden lassen“, findet Mai.

Die Befragung wirkt auch als starkes Signal nach Hessen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Auch in diesen Bundesländern finden in nächster Zeit entsprechende Befragungen in der Berufsgruppe statt. „Wieder einmal zeigt sich, dass dort, wo intensiv über die Aufgaben und die Arbeit einer Kammer informiert wird, die Kolleginnen und Kollegen eine Kammer wollen“, betont Mai. Gerade die hessischen Pflegenden, die bereits in den kommenden Wochen befragt werden, sind deshalb zur Teilnahme aufgerufen. „Auch von Hessen kann ein starkes Signal für eine selbst- und verantwortungsbewusste Berufsgruppe ausgehen,“ so Mai.

Die wachsende Zahl an Landespflegekammern in Deutschland sollte auch den Kammerkritikern Gelegenheit zum Umdenken bieten. „Gerade die Gewerkschaftsseite um ver.di sollte die Chance nutzen und gemeinsam mit den Kammern und den Berufsverbänden für eine Verbesserung der Pflegesituation in Deutschland kämpfen. Da wir auf unterschiedlichen Ebenen agieren, können wir unsere Bemühungen bündeln und auf diese Weise gemeinsam die besten Ergebnisse erzielen. Diese Chance dürfen wir nicht ungenutzt verstreichen lassen“, erneuert der Kammerpräsident das Angebot zur Zusammenarbeit.

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