Weiterer Corona-Herbst bedroht Handlungsfähigkeit der beruflichen Pflege

Mainz, 1.7.2022

Mehrbelastung in der Pflege und hohe Ausfallquoten gefährden die Versorgungssicherheit

Auch in diesem Jahr ist in der Gesundheits- und Pflegeversorgung mit einem extrem herausfordernden Herbst zu rechnen. Die Corona-Zahlen steigen weiter drastisch und die Situation auf den Intensivstationen wird sich weiter zuspitzen. Vergangene Woche hat das Bundesgesundheitsministerium seine Corona-Herbststrategie veröffentlicht. Diese umfasst unter anderem die Impfkampagne, das Testkonzept sowie den Schutz vulnerabler Gruppen. Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, sieht noch Nachholbedarf:

„In der Altenhilfe sind ja bereits einige sehr hilfreiche Maßnahmen angedacht. Leider ist es der Bundesregierung jedoch nicht gelungen, die Impfkampagne in Pflegeheimen zu stabilisieren. Die Zahl der vierfach Geimpften ist so etwa sehr niedrig. Es müssen daher auf allen Ebenen die Anstrengungen erhöht und noch vor dem Herbst eine Impfinitiative in Pflegeeinrichtungen umgesetzt werden. Impfen ist der beste Schutz, wenn man die Erkrankungsfolgen möglichst geringhalten möchte. Hier ist erneut die Solidarität aller gefragt, auch die der besonders zu schützenden Personengruppen.“

„Zudem fehlt uns weiterhin die Antwort auf die Frage, wie wir die erhebliche Mehrbelastung in der Pflege abfedern möchten. Nachhaltige gesetzliche Regelungen sind notwendig, die auch Leistungseinschränkungen bei fortlaufender Finanzierung der laufenden Kosten von Einrichtungen ermöglichen. Dadurch könnte man den ökonomischen Druck senken, sodass dieser nicht auf dem Buckel der Pflegefachpersonen und damit auch der Pflegeempfänger ausgetragen werden muss“, sagt Mai.

„Große Sorge habe ich auch bei der Intensivversorgung. Die Ausfallquoten waren teilweise erheblich und werden der Prognose nach im Herbst wieder deutlich zunehmen. Das führt dazu, dass entweder Betten gesperrt werden oder weniger qualifiziertes Personal in Intensivbereichen eingesetzt wird, sofern dieses überhaupt verfügbar ist“, so Mai.

„Das ist nicht akzeptabel. Vielmehr müssen auch hier wieder frühzeitig gesetzliche Regelungen getroffen werden, die eine ausreichende Finanzierung und damit auch eine nachhaltige Sicherung der Arbeitsplätze für den Fall ermöglichen, dass Krankenhäuser sinnvollerweise wieder Betten schließen müssen, um die Versorgungsqualität der dort Versorgten aufrechtzuerhalten. Hier gibt es keinerlei Planungssicherheit, was durchaus schon als fahrlässig zu bezeichnen ist. Der Herbst steht nämlich schon vor der Tür!“, betont Mai.

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